Wiens ungenutztes Potential
Das Wiener Cargokonzept

Die dazu benötigte Boxenstellplätze gibt es nicht nur in Form von Parkbuchtnutzung, und freie, nutzbare Flächen gibt es nach wie vor. 



In vielen Fällen existiert auch eine sich anbietende Ladespur. Diese extra ausgewiesenen Fahrradstreifen eignen sich ideal für e-Microtransporter mit einer max. Breite von 1,5m. Fahrradfahrer können diese Fahrzeuge bequem umfahren.  


 

Nun stellt sich die Frage: ist Wien Smart City, welche zu Kompromissen bereit ist, 

Fotos: © Kombiverkehrideen

 

oder gilt: "wir san wir und mit Privaten red ma ned!" 

Im Wiener Innenstadtbereich ist alles bestens. Es gibt zwar enge Gassen mit beidseitigen Parkstreifen, jedoch sind Ladezonen zum Teil extra ausgewiesen. Passt doch alles. Oder etwa nicht?

Wenn ein Pkw und ein Transporter mit Kastenaufbau auf ca. gleicher Höhe parken, ist es für einen weiteren Transporter oft unmöglich durchzukommen. Ein zurücksetzen ist auf Grund nachfolgender Fahrzeuge in den meisten Fällen ebenfalls nicht machbar. Ergebnis Straßenblockade und Hupkonzert der nachfolgenden Fahrzeuge. Selbst wenn es kleineren PKW’s gelingt in Retourgang dem Dilemma zu entkommen, trifft dies für den Transporter allzu oft nicht zu! Konzepte die Abhilfe schaffen werden aber von der Stadt, der Wirtschaft und manch involvierter Institution blockiert. Beim Gejammere bezüglich unzumutbarer Zustände sind sich jedoch alle Betroffenen einig.

Anscheinend ist es für Stadt und Wirtschaft besser Straßenblockaden und unvorhersehbare Stehzeiten welche sich für den betroffenen Fahrzeughalter mit ca. 100 Euro je Stunde  und eventuell sogar mehr zu Buche schlagen hinzunehmen, als sich mit sinnvollen und vor allem umsetzbaren Cargokonzepten auseinanderzusetzen. Denn dazu sind weder die Stadt, die involvierte Wirtschaft noch deren Vertreter bereit. Vor allem dann, wenn diese Verkehrskonzepte von Privatpersonen kommen. Denn wenn eine Privatperson Ihr Konzept vorträgt wird von höflicher bis rüder Art klargemacht, dass der Angesprochene entweder nicht zuständig oder leider nichts für Ihn Tun kann. Auch dann, wenn solch Konzept im Interesse der Gesellschaft und keine vergleichbare, Abhilfe schaffende Lösung vorhanden ist.

Sollen Privatpersonen Ihre Ideen ohne jede ideelle wie auch finanzielle Unterstützung bis zur Anwendungsreife finalentwickeln, um sie dann jenen zur Verfügung zu stellen die sich einer vorab Zusammenarbeit verweigern.

Was sind schon Stehzeiten bis zu einer Stunde täglich. Wem juckt’s, wenn solch unvorhersehbare Situationen künftig täglich auftreten, und vielleicht sogar mehrmals am Tag. Was sind schon 100, was 200 Euro?

Verstopfte Straßen und Ideen von Privaten jucken erst recht nicht!

Der Ruf nach ...

LKWs der Zukunft müssen in der Lage sein überregional, regional aber auch in urbaner, dichtbebauter Umgebung ihre Aufgaben zu erfüllen. Deshalb ist das derzeitige Konzept von einsatzspezifischen LKWs mit immer höheren und größeren Fahrerhäusern nicht unbedingt zielführend. Wahrscheinlicher ist dass sich für verschiedenste Aufgaben die Sattelzugmaschine durchsetzen wird.

Die Zukunft der SZM bedeutet nicht nur neue bessere cw-Werte und alternative Antriebskonzepte wie z.B. den e-Antrieb. Sie muss auch in der Breite und Höhe abspecken. Außenmaße von 240cm im Quadrat sind ideal. So kann unter anderem mit aufblasbaren Dachspoilern und Seitenwindabweisern eine bessere Aerodynamik erreicht und bei einer eventuellen Leerfahrt die SZM huckepack auf gängige LKW-Varianten verladen werden. Damit wird zumindest von einem Fahrzeug die Leerfahrt vermieden. Zusätzliche Verladehalterungen, kleinere Raddurch-messer und Kameras statt Rückspiegel machen dieses möglich. Angenehmer Nebeneffekt, die Aufsattelhöhe senkt sich ebenfalls. Die Notwendigkeit eines Fahrerhauses mit Schlafkabine ist ebenfalls zu überdenken. Hier wäre ein kurzes Fahrerhaus mit tauschbarer Schlafkabine angebracht. Denn auf Grund der derzeitigen Gesetzeslage vieler europäischer Länder ist jeder eingesparte cm wertvoll.

Dies sind nur kleine, einfache aber machbare Denkansätze zum LKW der Zukunft. Denn es ist egal ob im Fernverkehr mit 45‘ Containerchassis, als Cityliner mit einem, ja sogar mit mehreren kurzen Sattelanhängern inkl. Durchladung und Ladebordwand oder ausziehbaren Sattelchassis verschie-denster Bauart, die SZM kann es.

Was leider noch immer fehlt sind neue Designs für kosteneffiziente, multifunktionale Anwendungsmöglichkeiten und die gesetzlichen Rahmenbedingungen um diese umzusetzen.

Ist der Gigaliner zu kurz?

Nachdem die EU-Staaten bezüglich LKW Längen uneinig und sich Österreich gegen den lang LKW mit 25,25m aussprach, stellt sich die Frage ob hierbei nicht die technische Entwicklung der Zukunft außer Acht gelassen wurde.

Die Bahn verwendet zwar allzu gern den Slogan „die Bahn bringt‘s“, dem ist aber leider nicht so. Zumindest im Güterverkehr unter 500km. Dazu kommt dass der Großteil des Gütertransportes auf Kurzstrecken unter 300km stattfindet. Ohne einem kosteneffizienten Umschlag und einem wett-bewerbsfähigen last Meile Konzept wird sich die Situation im Kombinierten Verkehr Straße/Schiene/Straße kaum ändern. Wenn auch mit viel Steuergeldaufwand versucht wird dies zu ändern, ist auf Grund der österreichischen Bevölkerungs-struktur die technische Entwicklung des LKWs der Bahn wieder eine Nasenlänge voraus.

Städische Gliederbusse gibt es bereits mit einer Länge von über 30m:http://www.welt.de/wissenschaft/article108744035/30-Meter-lang-Das-ist-der-laengste-Bus-der-Welt.html 

Es ist derzeit technisch möglich, Lang LKWs aus mehreren durchladefähigen Anhängermodulen mit eigenem Antrieb zusammenzustellen. Mit sensorgesteuerter Mehrachslenkung erfüllen sie auch die vorgeschriebenen Kurvenradien. Diese Fahrzeuge sind schienengebundenen ebenbürtig, besitzen aber den Vorteil des Individualverkehrs. Bei fahrzeug-eigenem e-Antrieb kann der Anhänger Batteriekapazität aufnehmen und eine Reichweitensteigerung ist mit Wechselakkupacks machbar. In diesem Fall wird Lade-stehzeit vermieden.

Es stellt sich nun die Frage: Warum sperrt Österreichs Politik beim LKW-Verkehr technisch machbares aus?Wäre es nicht angebracht sich an den Vorgaben der Straßenbahn-verordnung zu orientieren?

Die aktuelle Länge der Wiener Straßenbahn beträgt 35,5m:http://www.fpdwl.at/fahrzeuge/showtypespecs.php?type=b1

Lt. Bundes Straßenbahnverordnung 1999 gibt es keine spezielle Längenbeschränkung: §34. (1) Die lichtraum-technisch maßgebenden Merkmale der Fahrzeuge und des Gleises müssen so aufeinander abgestimmt sein, daß es in keinem zulässigen Betriebszustand zu Berührungen zwischen Fahrzeugen und festen Gegenständen sowie zwischen Fahrzeugen auf benachbarten Gleisen kommen kann. (2) Auf straßenbündigem Gleiskörper im Verkehrsraum öffentlicher Straßen darf der Lichtraumbedarf in Gleisbogen auf Grund der bogengeometrischen Ausragung der Fahrzeuge auf jeder Seite um höchstens 0,65 m größer sein als der Lichtraumbedarf in der Geraden.  Quelle: Straßenbahnverordnung 1999, Bundes-gesetzblatt II Nr. 76/2000

In diesem Fall sind 25,25 Meter nur der Anfang.

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